Im Sommer des Vorjahres habe ich für 1,49 € in einem Baumarkt einen Cotoneaster gekauft.
Mir war beim Kauf klar, das dieses schlanke Pflänzchen sicherlich noch ein paar Jahre benötigt, bis es sich Bonsai nennen darf.
Also kam der Cotoneaster im Spätwinter erst einmal in einen geräumigen Teichtopf, damit er munter wachsen kann.
Nach dem ersten Winter-Grundschnitt habe ich im späten Frühjahr den zweiten Rückschnitt bei einigen Langtrieben vorgenommen.
Nun, etwa 3 Monate später, gab es wieder einige Langtriebe und ein paar Austriebe die nach unten wuchsen. Da dies meist unnatürlich aussieht wollte ich diese und die langen Triebe entfernen. Im Winter sind auch noch ein paar junge Ästchen erfroren. Die sollten auch gleich entfernt werden.
Werfen wir vor dem Formschnitt noch einen genaueren Blick auf den Cotoneaster. Hier sieht man ganz gut, wie die Äste in die Länge gewachsen sind. Bei einer solch jungen Pflanze kommt es mir allerdings derzeit nicht so auf die Optik an. Die Äste können ruhig lange wachsen, da sie dadurch mehr Blätter haben und somit mehr Photosynthese betreiben können. Dies wiederum ist für das Dickenwachstum vom Stamm und Ast förderlich.
Die Distel habe ich beim zweiten Foto bereits entfernt. Die hatte bereits in der kurzen Zeit ein recht dichtes Wurzelwerk entwickelt. Auf der Substrat-Oberfläche sieht man das sich ganz leicht Moos ansiedelt. Bei regelmäßig Regen in den letzten 2-3 Wochen kein Wunder.
Nach dem Formschnitt sah der Cotoneaster wie auf den folgenden beiden Fotos aus:
Die Fotos zeigen ihn von zwei Seiten. In dem jetzigen Entwicklungsstadium ist die zukünftige Vorderseite als Bonsai noch offen. Ich werde es von seiner weiteren Entwicklung abhängig machen. Dafür habe ich noch ein paar Jahre Zeit.
Inzwischen kann man aber sehr gut erkennen wie er eine etwas feinere Verzweigung bekommt. Im nächsten Spätwinter werde ich dem Stamm, durch drahten, mehr Schwung geben. Derzeit ist er mir zu kantig. Die Grundform des Stammes soll da etwas weicher wirken.
Sehr schöner Beitrag Bernd, aber mal eine Frage.
Was ist, wenn sich jemand den Baum von „hinten“ ansieht?
Haben Bäume „Seiten“ ?? Also, wenn ich Spazieren gehe, sind die Bäume von allen Seiten, gleichmässig.
Ich kann mich fatal irren, aber sollten Bonsais, welche als Minibäume gelten, von allen Seiten gut aussehen??
Gruß Alex
@ Alexander
du hast recht.
Im Prinzip sollten Bonsai von allen Seiten gut aussehen.
Die meisten Bonsaigestalter entscheiden sich für die mutmaßlich schönste Seite als Vorderseite. Dies schließt aber nicht aus, daß die anderen Seiten nicht auch gut aussehen.
Für eine Vorderseite entscheidet man sich als Gestalter, da es manche optischen Eindrücke gibt, welche auf den Betrachter positiv oder negativ im Eindruck wirken können. Bei der Vorderseite sollten diese Eindrücke überwiegend einen positiven und ausgeglichen Eindruck machen.
Mmh, wäre ein Artikel wert. Was kann auf den Betrachter gut oder weniger gut wirken?
Schöne Grüße
Bernd
Also, immer das „könnte“ … „was währe wenn“… u.s.w. im Auge zu behalten, wenn man einen Bonsai formt, ist doch mehr als umständlich.
In meinen Augen, soll der Bonai MIR gefallen. Denn erst, wenn er auch wirklich meinen vollen Bedürfnissen entspricht und trotzdem der nartürliche Wuchs des Baumes nicht ausser acht gelassen wird, kann doch nur ein tolles Ergebis herauskommen!
Ich kenne mich mit Japan ganz und gar nicht aus, aber läuft bei denen nicht alles auf Harmonie und Gleichgewicht heraus??
Nur so als Gedanke! Solltest du einen Artikel darüber verfassen, mach doch eine Umfrage. Beusucher, hast du mehr als genug! 😉
Mit bestem Gruß,
Alex
@ Alexander
das ein Bonsai MIR gefallen soll, sehe ich genauso.
Für den Einsteiger sind ein paar Grundgestaltungs-Empfehlungen am Anfang meist hilfreich.
Und einen Bonsai von allen Seiten gut und natürlich aussehen lassen, ist eine große Kunst, die nur wenige Meister wirklich beherrschen!
Harmonie und Gleichgewicht ist in Japan auch in der Bonsaigestaltung wichtig. Dies wird aber auf Grund der völlig anderen Kultur auch in einigen Punkten völlig anders als in Europa betrachtet und beurteilt!
Eine Umfrage ist eine gute Idee 😉
Schönen Sonntag noch!
Bernd
Der kleine Bernd! 🙂
Ja, Bernd. Das soll auch alles wirklich keine unliebsame Kritik sein. Doch, wenn ich mir überlege, wie ich meine angehenden Bäume formem möchte, kommt mir nicht der Gedanke, das „dort vorne“ und „dort hinten“ ist. Für mich ist dieser Gedanke befremdlich.
Klar, man kann den Baum quasi provozieren, das er sich neigt oder so. Aber das tut er auch ausschließlich nur, um im Gleichgewicht zu bleiben 😉
Mit Bestem Gruß und auch dir einen schönen Sonntag noch,
Alex
@ Alexander
keine Angst, unliebsame Kritik kenne ich nicht.
Deine Hinweise fasse ich ausschließlich als konstruktive Kritik auf!
Noch eine kleine Ergänzung. Ein Baum wird nicht in eine gewünschte Form oder Gestalt provoziert, sondern gestaltet. Daher der Name Bonsaigestalter 😉
Dabei sollte man möglichst das Grundwesen des Baumes berücksichtigen und in einer Gestaltung mit einbeziehen. Und natürlich braucht der Gestalter auch ein vielfältiges Wissen über das was er tut und wie es sich auf das weitere Wachstum der Pflanze auswirkt.
Hört sich allerdings einfacher an, als es ist.
Zumindest für mich.
Ja, mein Gravatar habe ich um ein 40 Jahre älteres Foto ausgetauscht. Beim Thema Bonsai denke ich zu oft, daß ich nie auslerne. Da paßt das alte Foto symbolisch sehr gut zur Bonsai-Thematik.
Bis dann!
Bernd
Zum Thema „Ansichtssache“ möchte ich nun auch noch meinen Senf dazugeben.
Ein Baum sieht nun mal von jeder Seite betrachtet etwas anders aus.
Um dem jungen Baum eine bestimmte Form zu geben ist es am einfachsten sich eine „Vorderseite“ auszusuchen. Ich mache dann manchmal eine Skizze, um zu überlegen wie der Baum aus dieser Sicht mal aussehen könnte.
Wenn die Form von der Hauptseite aus stimmt, ist es ein Leichtes auch die anderen Seiten zu Gestalten.
Dabei ist es auch schon passiert, dass ich einen Baum plötzlich von der „Rückansicht“ interessanter und schöner fand.
Gruß
Mac
Gr